Folge 13

Vasektomie: Kleiner Schnitt, grosser Schritt

Flavio Gerber ist 37 Jahre alt und hat sich einer Vasektomie unterzogen. Seine Samenleiter wurden operativ durchtrennt, so dass er keine weiteren Kinder zeugen kann. Mit seiner Frau hat er drei Kinder. Nach dem dritten war für beide klar, dass sie kein weiteres haben möchten. Im Gespräch mit Patrick Rohr erzählt Flavio Gerber, wie der Eingriff sein Sexualleben entspannt hat und er sich heute freier fühlt als zuvor.

Moderiert von Patrick Rohr

21.06.2023

Für viele Männer ist das Thema Vasektomie ein Tabu und eine schwierige Entscheidung. So entspannt wie Flavio Gerber kommen die wenigsten Männer in die Praxis des Urologen Sergej Staubli. «Bei vielen spürt man die Anspannung. Es ist ein grosser Schritt. Viele Männer fragen sich, inwiefern ihr Sexualleben vom Eingriff betroffen sein wird. Da gibt es häufig viel Klärungsbedarf und es ist auch wichtig, darüber zu sprechen.» Viele Männer verbinden die Zeugungsfähigkeit mit ihrer Männlichkeit und sind verunsichert. Sie stellen sich Fragen wie: «Bin ich nach dem Eingriff wirklich unfruchtbar?» Oder: «Was geschieht mit meiner Erektionsfähigkeit und mit meiner Lust?» Dr. Staubli erklärt: «Nach dem Eingriff ist man wirklich unfruchtbar. Auf das Sexualleben, die Erektionsfähigkeit oder die Lust hat der Eingriff jedoch keinerlei Auswirkung.». Auch der Samenerguss bleibt bis auf die fehlenden Spermien unverändert.

Nach einer Vasektomie müssen sich Männer nicht mehr mit dem Thema Verhütung auseinandersetzen. Das kann gemäss Staubli sogar zu einem entspannteren und freieren Sexualleben beitragen. Flavio Gerber bestätigt: «Ich fühle mich völlig befreit. meine Frau und ich müssen uns keine Gedanken mehr über Verhütung machen.» Der Eingriff findet unter lokaler Betäubung statt. Der Chirurg entfernt auf beiden Seiten ein kleines Stück des Samenleiters. Die beiden Enden werden mit Strom verödet und mit einem Faden verknüpft. Anschliessend wird noch eine Gewebsschicht dazwischen gelegt. «So bauen wir mehrere Sicherheitsstufen ein, damit das Risiko eines erneuten Zusammenwachsens so gering wie möglich ist», erklärt Staubli. «Ich nenne das auch Sperm-Walls», sagt Staubli mit zwinkerndem Auge.

Vom Eingriff selbst hat Flavio Gerber nicht viel mitbekommen. Nur das Veröden der Samenleiter bekam er akustisch mit: «Es klingt ein Bisschen wie Fleisch in der Bratpfanne. Und entsprechend hat es auch gerochen.» Nach der Operation können die Patienten noch bis zu zwei Wochen Schmerzen verspüren. Das bestätigt auch Flavio Gerber: «Nachdem die Betäubung nachgelassen hat, fühlte es sich wie ein Tiefschlag an.» Doch Schmerzmittel brauchte Gerber keine. Wichtig ist, in den Tagen danach auf Sport und auch sexuelle Aktivitäten zu verzichten, um die Infektionsgefahr gering zu halten. Rein theoretisch ist ein erneutes Zusammenführen der Samenleiter möglich. «Doch es ist nicht in jedem Fall sicher, ob danach tatsächlich wieder Spermien den Samenleiter passieren», sagt Staubli. Für Flavio Gerber ist klar: Rückgängig machen will er den Eingriff nicht. Er ist sich sicher, dass er in Zukunft keine weiteren Kinder haben möchte.

  • Patrick Rohr und Flavio Gerber

    Patrick Rohr und Flavio Gerber

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